Den Atlantik hatten wir praktisch überquert. Am Freitagmorgen waren wir bereits deutlich näher am Ziel, zumindest bezogen auf den Längengrad… Doch nach Charleston war es immer noch weit, 5 Tage Fahrt, bedeutet in etwas 3000km… Aber ich bemerkte doch, dass meine Zeit auf dem Schiff langsam zu Ende ging… Bereits ein wenig nostalgisch genoss ich die Zeit an Deck und fotografierte einmal mehr einen wunderschönen Sonnenuntergang. Was mir noch fehlte, war eine klare Nacht. Das war etwas, was ich mir bereits vor der Reise speziell vorgestellt hatte. Keine Lichtverschmutzung und demzufolge Millionen von Sternen. Leider wurde es nach dem Sonnenuntergang immer stärker bewölkt und um halb Zehn ging ich enttäuscht in die Kabine. Ich beschäftigte mich noch ein wenig mit den Fotos, schrieb einige Zeilen und wollte dann schlafen gehen… nichts da! Ein letzter Blick aus dem Fenster liess mich sofort zur Brücke hoch eilen. Die Wolken waren weg und am klaren Himmel funkelte es nur so! Atemberaubend! Ich stand über eine Stunde an Deck, lies mich beeindrucken und ging meinen Gedanken nach. Auf dem Atlantik, über einem das funkelnde Weltall – da wird man sich seiner Winzigkeit richtig bewusst.
Am Samstag dann ein ganz spezieller Tag. Wir wollten wieder unsere Runden drehen, als uns mitgeteilt wurde, dass wir um 10:40 Uhr den Maschinenraum besichtigen durften. Ein weiterer Wunsch ging in Erfüllung! Der Maschinenraum war nämlich bis anhin der einzige Ort, an welchem die Passagiere nicht alleine rumlaufen durften. Was für Dimensionen, 2-Takt Diesel, 10 Zylinder, je 1m Durchmesser, Länge ca. 20m, Höhe ca. 15m, Nenndrehzahl ca. 65 1/min. Die Kurbelwelle treibt direkt die Schraube an. Dazu Pumpen, Wasseraufbereitungsanlagen, Dieselgeneratoren, und und und… Mir war schon bewusst, dass es sich um eine riesige Maschine handeln muss, diese aber live zu sehen und die Kraft dahinter zu spüren, ist nochmal etwas ganz anderes. Neben der Maschine stand noch ein neuer Kolben, den Sie in Mexico für einen alten austauschen werden. Ich stand daneben, etwa gleich gross wie ich… Auf meine Frage, wer dann kommen werde, um diese Reparatur vorzunehmen, war der Chefingenieur ein wenig betupft… selbstverständlich werde er mit seiner Crew diesen Austausch vornehmen, das sei schliesslich seine Arbeit!
Es ist sowieso unglaublich, wie gut sie ausgerüstet sind. Natürlich darf auf dem Schiff ein Drehbank nicht fehlen und auch sonst haben sie vieles dabei. Trotzdem ist es erstaunlich, mit welchen Werkzeugen hier praktisch alles selbst gemacht wird. Brennschneiden genau so, wie elektrisch schweissen, etc. Sie sind handwerklich sehr begabt und äusserst improvisationsfähig.
Am Abend folgte dann auch noch die Tage im Voraus angekündigte Party! Barbecue und alles was dazu gehört. Soviel Fleisch, Seafood, Würste, selbst gemachte Cevapcici, Reis, Kartoffeln, etc. habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Dazu noch ein stundenlang vorbereitetes Spanferkel nach philippinischer Art zubereitet. Hätte jetzt für mich nicht sein müssen, aber für die Mannschaft war dies schon ein spezielles Festessen. Und was folgt nach dem Essen, wenn 2/3 der Crew Philippinos sind: Karaoke!!! Mit Glück für alle, kam ich ums singen rum, aber unter ihnen waren wirklich einige talentierte Stimmen zu hören. Eine ausgelassene und fröhliche Stimmung gemeinsam mit allen Crewmitgliedern machte den Abend zum Highlight.
Einmal mehr mit einem perfekten Sonnenuntergang und einer sternenklaren Nacht ging dieser erlebnisreiche Tag zu Ende!