Am Montagmorgen verliessen wir den Ärmelkanal bei recht gutem Wetter. Auf dem Radar konnten immer weniger Schiffe ausgemacht werden, bis wir schlussendlich im Radarumfeld ca. 12 Seemeilen allein unterwegs waren. Freie Fahrt auf hoher See.
Mit Gustl zusammen haben wir unsere Runden auf Deck gemacht. Jeweils drei am Morgen und drei am Nachmittag. Ein wenig Bewegung zusätzlich zum Treppensteigen hilft, das reichliche und gute Essen zu verdauen. Immer wieder machten wir neue Entdeckungen, sei es ein Regenbogen über den Wellen, seien es Möven die mit uns mitfliegen oder Dinge am Schiff, die wir noch nicht bemerkten.
Der Wind frischte ein wenig auf und plötzlich wechselte das Wetter. Wir fuhren in eine Regenfront. Doch das Meer blieb mehr oder weniger ruhig uns so blieb das Reisen immer noch äusserst komfortabel.
Nach einer nicht mehr ganz so ruhigen Nacht begann auch der Dienstagmorgen regnerisch und ein wenig rauer. Das Schiff stampfte (Rotationsbewegung um die Querachse) doch merklich, aber es war immer noch gut auszuhalten. Beim Frühstück klarte das Wetter auf, die Sonne schien und es wurde auch wieder ein wenig ruhiger. Doch gerade als wieder auf unseren Spaziergang wollten, wechselte das Wetter und es regnete sintflutartig. 15 Minuten später starteten wir den Rundgang, dann wieder bei prächtigem Sonnenschein…
Nachmittags wieder schlechtes Wetter und nun auch unruhigere See. Gemäss dem ersten Offizier hatten wir ca. 5 Meter hohe Wellen. Dies war von der Brücke aus betrachtet gar nicht so richtig ersichtlich, aber bei mir im Magen doch leicht spürbar… der erste Kaugummi gegen Seekrankheit kam sicherheitshalber zum Einsatz. Obwohl später das Wetter (und auch mein Magen) wieder besser wurde, blieb das Deck für einen weiteren Spaziergang gesperrt. So blieb ich auf der Brücke und genoss von da die verschiedenen Stimmungen am Himmel.
Die Brücke ist neben der Kabine der Ort, wo ich mich am meisten aufhalte. Ich schaue den Offizieren bei Ihrer täglichen Arbeit über die Schultern und geniesse den Blick in den weiten Horizont. Manchmal ergeben sich gute Gespräche über die Arbeit, das Schiff oder das Leben auf See. Nicht einfach, sechs bis neun Monate von der Familie getrennt zu sein. Teilweise konnten Sie die Geburt Ihres Kindes nicht miterleben, verpassen Geburtstage oder sonstige spezielle Ereignisse. Dafür sind sie dann anschliessend ca. drei Monate zuhause und haben frei. Auch nicht schlecht, ich bin jedoch sehr froh, dass ich meine Familie und meine Freunde nach 5 Wochen wieder sehen werde…
Lieber Andreas ich freue mich immer wieder von Dir zu hören.Toll dass es Dir so gut geht und Du alles so intensiv erlebst.Bin in Gedanken oft bei Dir.Lb Gr Vreni
Hoy Andreas
Wir verfolgen mit Spannung Deine Reise und Deine Berichte. Du scheinst es wirklich gut getroffen zu haben mit diesem Schiff, der Mannschaft und Deinen Mit-Passagieren. Hoffentlich kannst Du es weiterhin so recht geniessen (Seegang!!!). Die erste Hälfte ist ja schon vorbei…
Liebe Grüsse Mami + Vater