In der Nähe von Kanada

Den Atlantik hatten wir praktisch überquert. Am Freitagmorgen waren wir bereits deutlich näher am Ziel, zumindest bezogen auf den Längengrad… Doch nach Charleston war es immer noch weit, 5 Tage Fahrt, bedeutet in etwas 3000km… Aber ich bemerkte doch, dass meine Zeit auf dem Schiff langsam zu Ende ging… Bereits ein wenig nostalgisch genoss ich die Zeit an Deck und fotografierte einmal mehr einen wunderschönen Sonnenuntergang. Was mir noch fehlte, war eine klare Nacht. Das war etwas, was ich mir bereits vor der Reise speziell vorgestellt hatte. Keine Lichtverschmutzung und demzufolge Millionen von Sternen. Leider wurde es nach dem Sonnenuntergang immer stärker bewölkt und um halb Zehn ging ich enttäuscht in die Kabine. Ich beschäftigte mich noch ein wenig mit den Fotos, schrieb einige Zeilen und wollte dann schlafen gehen… nichts da! Ein letzter Blick aus dem Fenster liess mich sofort zur Brücke hoch eilen. Die Wolken waren weg und am klaren Himmel funkelte es nur so! Atemberaubend! Ich stand über eine Stunde an Deck, lies mich beeindrucken und ging meinen Gedanken nach. Auf dem Atlantik, über einem das funkelnde Weltall – da wird man sich seiner Winzigkeit richtig bewusst.

Am Samstag dann ein ganz spezieller Tag. Wir wollten wieder unsere Runden drehen, als uns mitgeteilt wurde, dass wir um 10:40 Uhr den Maschinenraum besichtigen durften. Ein weiterer Wunsch ging in Erfüllung! Der Maschinenraum war nämlich bis anhin der einzige Ort, an welchem die Passagiere nicht alleine rumlaufen durften. Was für Dimensionen, 2-Takt Diesel, 10 Zylinder, je 1m Durchmesser, Länge ca. 20m, Höhe ca. 15m, Nenndrehzahl ca. 65 1/min. Die Kurbelwelle treibt direkt die Schraube an. Dazu Pumpen, Wasseraufbereitungsanlagen, Dieselgeneratoren, und und und… Mir war schon bewusst, dass es sich um eine riesige Maschine handeln muss, diese aber live zu sehen und die Kraft dahinter zu spüren, ist nochmal etwas ganz anderes. Neben der Maschine stand noch ein neuer Kolben, den Sie in Mexico für einen alten austauschen werden. Ich stand daneben, etwa gleich gross wie ich… Auf meine Frage, wer dann kommen werde, um diese Reparatur vorzunehmen, war der Chefingenieur ein wenig betupft… selbstverständlich werde er mit seiner Crew diesen Austausch vornehmen, das sei schliesslich seine Arbeit!

Es ist sowieso unglaublich, wie gut sie ausgerüstet sind. Natürlich darf auf dem Schiff ein Drehbank nicht fehlen und auch sonst haben sie vieles dabei. Trotzdem ist es erstaunlich, mit welchen Werkzeugen hier praktisch alles selbst gemacht wird. Brennschneiden genau so, wie elektrisch schweissen, etc. Sie sind handwerklich sehr begabt und äusserst improvisationsfähig.

Am Abend folgte dann auch noch die Tage im Voraus angekündigte Party! Barbecue und alles was dazu gehört. Soviel Fleisch, Seafood, Würste, selbst gemachte Cevapcici, Reis, Kartoffeln, etc. habe ich schon lange nicht mehr gesehen. Dazu noch ein stundenlang vorbereitetes Spanferkel nach philippinischer Art zubereitet. Hätte jetzt für mich nicht sein müssen, aber für die Mannschaft war dies schon ein spezielles Festessen. Und was folgt nach dem Essen, wenn 2/3 der Crew Philippinos sind: Karaoke!!! Mit Glück für alle, kam ich ums singen rum, aber unter ihnen waren wirklich einige talentierte Stimmen zu hören. Eine ausgelassene und fröhliche Stimmung gemeinsam mit allen Crewmitgliedern machte den Abend zum Highlight.

Einmal mehr mit einem perfekten Sonnenuntergang und einer sternenklaren Nacht ging dieser erlebnisreiche Tag zu Ende!

Inmitten des Atlantiks

Mittwochmorgen war ich bereits sehr früh (ca. 5 Uhr) wach und sah durch das Fenster den Sternenhimmel. Den wollte ich schon lange einmal ohne Lichtverschmutzung anschauen. Gegen sechs Uhr stand ich immer noch bei völliger Dunkelheit auf. Doch ca. 10 Min. später war es bereits so hell, dass nur noch wenige Sterne sichtbar waren. Den Sternenhimmel hatte ich verpasst… aber ich habe ja noch einige Tage und Nächte Zeit. Dafür konnte ich einmal mehr einen wunderschönen Sonnenaufgang geniessen.

Zum Frühstück gabs «Strammer Max». Zuerst verstand ich das gar nicht, da ich einen englischen Begriff erwartete. Aber es handelt sich dabei um ein Frühstück aus Norddeutschland. Eine Scheibe Pumpernickel, Tomaten, Zwiebeln und oben drauf zwei Spiegeleier. Schmeckte hervorragend! Viel besser, als es sich anhört…

Gemäss GPS und Googlemaps waren wir ziemlich genau in der Mitte unserer Überfahrt, ab diesen Tag sind wir bereits näher bei Amerika als bei Europa. Schon ein wenig ein komisches Gefühl zu wissen, dass das nächste Ufer über 1000km entfernt ist.

Den ganzen Tag über schien die Sonne und das Meer war sehr ruhig, richtig angenehm. Dazu meinte der Kapitän, dass sich das Wetter gemäss Wetterbericht stetig bessere… da kam Freude auf, obwohl ich einer Wettervorhersage über mehrere Tage nicht recht trauen wollte. So genossen wir das schöne Wetter, drehten einige Runden an Deck und liessen es uns gut gehen. Ich freute mich bereits auf einen tollen Sonnenuntergang. Zwei Stunden später regnete es jedoch bereits ☹ Nichts mit Sonnenuntergang, dafür interessante Gespräche mit dem 3. Offizier aus Philippinen. Er ist auch ein Fan von Roger Federer und so kamen wir gut ins Gespräch.  Gespannt auf das Wetter am nächsten Tag ging ich schlafen.

Auch am Donnerstag kein strahlend blauer Himmel, aber viel besser als erwartet. Nach einem Frühstück mit Spiegeleiern und Sausage waren weitere drei Runden auf Deck mehr als notwendig.

Heute wurde den ganzen Tag repariert, Rost abgeschliffen und neu gestrichen. Der Deckmechaniker trennte mit dem Schneidbrenner Stufen aus einer Treppe und schweisste neue rein. Bei einem Schliessmechanismus war der Vierkant nicht mehr gut. Den hat er ausgebaut und mit Auftragsschweissen und anschliessendem Schleifen wieder repariert. Wirklich beeindruckend, wie er sich bei allem zu helfen weiss. Aber auch die anderen sind permanent am Arbeiten. Nichts für faule Leute (ausser als Passagier ?)

Nach dem Mittagessen mit einem Coup Dänemark und frischen Donuts (hervorragend zubereitet, da konnte ich nicht widerstehen) war ein Spaziergang unumgänglich. Dabei gesellte sich auch Gustl wieder dazu und wir machten uns auf den Weg zu weiteren drei Runden. Dabei konnten wir bereits den ersten Vogel aus der Westküste beobachten. Als Zoologe kennt er sich dabei natürlich aus. Es ist immer wieder interessant, Ihm zuzuhören. Er hat bereits so viele Orte auf der Welt bei seinen Forschungen bereist und dabei viele spannende Geschichten erlebt, mit welchen er mich gut unterhält. 

Unsere Beobachtung bewahrheitete sich dann auch auf der Brücke. Auf dem Bildschirm des Autopiloten tauchte seit langem wieder mal Land auf. Natürlich von Auge nicht sichtbar, aber wir näherten uns definitiv der neuen Welt. Mal schauen, an welcher Position ich am nächsten Tag aufwachen werde…

Die ersten Tage auf dem Atlantik

Am Montagmorgen verliessen wir den Ärmelkanal bei recht gutem Wetter. Auf dem Radar konnten immer weniger Schiffe ausgemacht werden, bis wir schlussendlich im Radarumfeld ca. 12 Seemeilen allein unterwegs waren. Freie Fahrt auf hoher See.

Mit Gustl zusammen haben wir unsere Runden auf Deck gemacht. Jeweils drei am Morgen und drei am Nachmittag. Ein wenig Bewegung zusätzlich zum Treppensteigen hilft, das reichliche und gute Essen zu verdauen. Immer wieder machten wir neue Entdeckungen, sei es ein Regenbogen über den Wellen, seien es Möven die mit uns mitfliegen oder Dinge am Schiff, die wir noch nicht bemerkten.

Der Wind frischte ein wenig auf und plötzlich wechselte das Wetter. Wir fuhren in eine Regenfront. Doch das Meer blieb mehr oder weniger ruhig uns so blieb das Reisen immer noch äusserst komfortabel.

Nach einer nicht mehr ganz so ruhigen Nacht begann auch der Dienstagmorgen regnerisch und ein wenig rauer. Das Schiff stampfte (Rotationsbewegung um die Querachse) doch merklich, aber es war immer noch gut auszuhalten. Beim Frühstück klarte das Wetter auf, die Sonne schien und es wurde auch wieder ein wenig ruhiger. Doch gerade als wieder auf unseren Spaziergang wollten, wechselte das Wetter und es regnete sintflutartig. 15 Minuten später starteten wir den Rundgang, dann wieder bei prächtigem Sonnenschein…

Nachmittags wieder schlechtes Wetter und nun auch unruhigere See. Gemäss dem ersten Offizier hatten wir ca. 5 Meter hohe Wellen. Dies war von der Brücke aus betrachtet gar nicht so richtig ersichtlich, aber bei mir im Magen doch leicht spürbar… der erste Kaugummi gegen Seekrankheit kam sicherheitshalber zum Einsatz. Obwohl später das Wetter (und auch mein Magen) wieder besser wurde, blieb das Deck für einen weiteren Spaziergang gesperrt. So blieb ich auf der Brücke und genoss von da die verschiedenen Stimmungen am Himmel.

Die Brücke ist neben der Kabine der Ort, wo ich mich am meisten aufhalte. Ich schaue den Offizieren bei Ihrer täglichen Arbeit über die Schultern und geniesse den Blick in den weiten Horizont. Manchmal ergeben sich gute Gespräche über die Arbeit, das Schiff oder das Leben auf See. Nicht einfach, sechs bis neun Monate von der Familie getrennt zu sein. Teilweise konnten Sie die Geburt Ihres Kindes nicht miterleben, verpassen Geburtstage oder sonstige spezielle Ereignisse. Dafür sind sie dann anschliessend ca. drei Monate zuhause und haben frei. Auch nicht schlecht, ich bin jedoch sehr froh, dass ich meine Familie und meine Freunde nach 5 Wochen wieder sehen werde…

Richtung Atlantik

Am Sonntag fuhren wir durch den westlichen Teil des Ärmelkanals. Wir überquerten um ca. 8:45 Uhr den Nullmeridian, was mich veranlasste, ein kurzes Frühstück zu nehmen, damit ich rechtzeitig wieder auf der Brücke war um auf dem GPS System mitzuverfolgen, wie die Richtungsangabe der Koordinate von E auf W wechselte…

Tagsüber fuhren wir an der englischen Küste entlang, wobei sie selten zu sehen war. Immer noch waren aber viele Schiffe mit uns unterwegs und wir konnten auch wieder Windfarmen und Bohrtürme beobachten.

Einer der Attraktionen neben der spannenden Technik und der betörenden Natur ist jeweils das Essen. Zum Abendessen gab es zur Vorspeise Lachs und ein rumänischer Kartoffelsalat, anschliessend ein Cheeseburger mit Spaghetti Carbonara… Eine spezielle Kombination aber sehr köstlich und vor allem sättigend…

Wir sind nun zu Dritt als Passagiere auf dem Schiff. Gustl, ein pensionierter Zoologe und Verhaltensforscher, der lange an der Uni Zürich dozierte auf der Reise zu Freunden in Amerika und Hanna, eine Norwegerin, welche jedoch schon über 20 Jahre in England gelebt hat und immer wieder die Welt bereist. Wir sind eine gute Gruppe und vor allem mit Gustl kann ich mich sehr gut unterhalten (nicht nur aufgrund der Sprache, wir verstehen uns auch sonst sehr gut und es gibt bereits spannende Gespräche)

Den Sonntagabend genoss ich auf der Brücke. Einige Wolkenfelder tauchten auf und es ergab sich wie immer eine wunderbare Stimmung am Horizont. Der dritte Offizier hat mir aufgezeigt, wie gross der Treibstoffverbrauch in etwa ist. Pro Tag benötigt das Schiff ca. 60 – 70 Tonnen Schweröl. Dabei legt es ca. 650km zurück. Dies entspricht einem Verbrauch von ca. 10t pro 100km oder ca. 100l für einen Kilometer! Riesige Zahlen, aber mit 85’000 Tonnen Fracht pro Frachttonne dann eben doch recht wenig…

Seit Sonntag habe ich nun auch Internet über Satellit. So kann ich trotzdem die Verbindung nach Hause aufrechterhalten, obwohl wir auf hoher See sind. Aber die Kosten sind nicht zu vernachlässigen: 0.2$ pro MB tönt nicht nach viel, bedeutet jedoch 200$ pro GB. Deshalb verzichte ich aktuell noch auf das Hochladen von Fotos. Aber immerhin kann ich weiterhin von hier berichten und die Website mehr oder weniger aktuell halten.

Durch den Ärmelkanal

Früh morgens gings von Antwerpen los nach Charleston. Aufgrund der Wetterlage hat der Captain entschieden, durch den Ärmelkanal zu fahren. Geplant war auf der Reise durch die Nordsee oberhalb von England in den Nordatlantik zu gelangen. Auf diese Route wäre ich aufgrund der Karte wohl nie gekommen, aber scheinbar ist die Erde doch rund ?

Ich verbrachte den grössten Teil der Reise an Deck. Es gab den ganzen Tag viel zu sehen. Militärschiffe, grosse Autofrachter, Fischerboote, Segelboote, etc. Besonders beeindruckt haben mich riesigen Offshore- Windparks. Ich habe bestimmt über 100 einzelne Windanlagen gezählt. Auch Bohrinseln gibt es immer wieder zu bestaunen. Natürlich kennt man alles aus dem Fernseher, doch diese Grössen in Echt zu sehen ist schon ein Erlebnis.

Am Nachmittag wurden wir vom dritten Offizier durchs Schiff geführt. Obwohl ich bereits vieles kannte, war der Rundgang sehr spannend. Wir kamen dabei in den CO2 – Feuerlöschraum. Ein ausgeklügeltes System und viele CO2 Flaschen sollen einen Brand sofort löschen. Obwohl nur von Wasser umgeben ist Feuer eine grosse Gefahr. Danach gingen wir ins Ruderhaus. Ein riesiger Raum im Heck des Schiffes mit der Ruderanlage. Gewaltig, mit welcher Leichtigkeit sich das riesige Ruder bewegt. Auf der einen Seite die beeindruckende Natur des Meeres, auf der anderen Seite ein Schiff voller ausgeklügelter Technik. Zwei Welten auf einer Reise.

Nachdem ich einmal mehr den wunderbaren Sonnenuntergang auf der Brücke bestaunt hatte, wollte ich langsam in meine Kabine. Unüblicher weise drang Musik aus dem Aufenthaltsraum der Crew ins Treppenhaus. Ich schaute kurz rein und wurde sofort eingeladen… Meistens am Samstag sitzen sie alle gemeinsam zusammen und feiern das Wochenende. Wein, Bier, kalte Platten und natürlich Karaoke… Die Offenheit und Fröhlichkeit zu erleben und gemeinsam mit Ihnen auf die Reise anstossen zu dürfen, hat mich sehr bewegt (besonders da ich nun weiss, wie hart das Matrosenleben in Tat und Wahrheit ist…). Nach einem lustigen, geselligen Abend ging ich müde, aber glücklich schlafen.

Bereits heute hatte ich praktisch kein Internet mehr und mir mit Glück ist es mir noch gelungen, diesen Beitrag hochzuladen. Deshalb muss ich nun um Geduld bitten, bis weitere Beiträge erscheinen werden.

Bremerhaven

Morgens um 5 Uhr sind wir in Bremerhaven angekommen. Zufällig war ich gerade wach und wollte natürlich die letzte Hafeneinfahrt in Europa nicht verpassen. Ein Spektakel, wie die Schlepper das riesige Schiff genau an die Anlegestelle bringen. Im Gegenzug zu den Hafenarbeitern ging ich danach jedoch wieder schlafen… ?

Da mein Mitfahrerkollege nach seiner sechs wöchigen Tour die Reise hier beendete, konnte ich mit Ihm mit in die Innenstadt von Bremerhaven. Eine schöne Hafenstadt mit einer gepflegten Deichanlage, alten Hafenanlagen und einer schönen Fussgängerzone. Hoch oben auf der Aussichtsplattform von Sail City konnte ich die Stadt und die Gegend bewundern. Kein Hügel war zu sehen, alles flach…

Interessant war auch das Auswandererhaus. Ein Museum, welches in eindrücklicher Art die Auswanderung im 19. Und 20. Jahrhundert beschreibt. Ca. 7 Millionen Menschen stiegen hier ins Schiff ein, um eine glücklichere Zukunft in Amerika zu finden. Sie liessen dabei alles hinter sich und wussten nicht was sie erwarten wird.

Irgendwie konnte ich mich ein wenig in sie einfühlen, ist doch Bremerhaven auch für mich der letzte Hafen auf diesem Kontinent… Doch Gott sei Dank, nur für eine beschränkte Zeit und mit dem Wissen, (hoffentlich) wieder nach Hause zu können. Wenn ich mir die Situation der Auswanderer vorstelle, wird mir richtig unbehaglich. (und das findet heute ja eigentlich immer noch statt, nur von anderen Orten aus zu anderen Zielen…)

Ich schaute, dass ich zum Nachtessen wieder im Schiff war. So konnte ich meine zwei neuen Mitpassagiere begrüssen. Ich werde mit einer Frau aus Norwegen und einem Deutschen, welcher lange an der Uni Zürich gearbeitet hat, die Überfahrt in Angriff nehmen. So kann ich doch teilweise noch ein wenig Deutsch sprechen ?

Morgen um 6 Uhr soll es wieder losgehen. Ohne Halt durch den Ärmelkanal und dann über den Nordatlantik… Ich bin gespannt, wie sich das anfühlen wird. Nach einigen Tagen auf dem Schiff fühle ich mich so gut wie möglich vorbereitet und bereit auf die unendlichen Weiten… (live long and prosper ?)

P.S. In den nächsten Tagen werde ich wohl immer wenig auf eine Internetverbindung zählen können, deshalb werden wahrscheinlich auch die Abstände meiner Erlebnisberichte länger…

Antwerpen – Rotterdam-Bremerhaven

Nachdem in Antwerpen die letzten Container geladen wurden, gings richtig los. Die Schlepper positionieren sich und es hiess «Leinen los». Obwohl ich bereits am ersten Tag im Hafen vieles erlebt hatte, war dies der eigentliche Startschuss der Reise. Gemächlich verliessen wir den Hafen und fuhren durch die Schelde ins Meer. Leider starteten wir erst um 22 Uhr und deshalb war nicht mehr viel zu sehen.

Nach einer ruhigen Nacht erwachte ich bereits im Warteraum von Rotterdam. Gezählt habe ich über 60 Schiffe, die ich von blossem Auge entdeckte, es müssen aber hunderte vor Rotterdam gewartet haben. Unglaublich, was da auf der Welt alles rumtransportiert wird… Erst um 21 Uhr kam der Lotse und die Einfahrt konnte beginnen. Dabei kreuzen wir ein noch grösseres Schiff, 400m Länge, 60m Breite und ca. 21’000 Container geladen. Mehr als 3x so viele wie unser Schiff… eigentlich unbeschreiblich. Im Hafen festgebunden waren wir dann schlussendlich um ca. 24 Uhr. Das Ein- und Ausladen konnte beginnen, für mich gings jedoch ins Bett.

Am anderen Morgen gab es viel zu sehen. Im Hafen von Rotterdam wurde neben der Schiffsladung auch der gesamte Abfall der vergangenen Reise entsorgt und der Proviant für die anstehende Tour aufgenommen. Das Schiff ist danach jeweils wieder für die nächsten sechs Wochen autark unterwegs.

Bereits um 14 Uhr gings wieder los Richtung Bremerhaven. An Bohrtürmen und Offshore Windanlagen vorbei der Friesischen Inseln entlang. Nun geht’s ins Bett und beim Aufwachen werden wir bereits in Bremerhaven angelegt haben.

Erster Tag auf dem Schiff

Um viertel nach Sieben gings los, zuerst zur Immigration Police wo ich mit einer Wartezeit von 6h rechnen musste. Nach 5 Minuten war ich wieder draussen… Auf meine Frage, wie ich zum Schiff gehen könne, hat mich der Beamte zuerst nur komisch angeschaut, Taxi natürlich! Obschon ich bereits im Hafen war, musste ich nochmals 20 Minuten mit dem Taxi zum Gate, nichts mit Fussweg… Die Grössenordnungen sind hier einfach anders.

Dies habe ich auch auf dem Schiff bemerkt. Die Container sind riesig und trotzdem wird alles behandelt, wie im Kleinen auch. Mit übergrossen Kränen werden die Container vom Schiff geholt und an Land gestellt- Dort werden Sie von riesigen Hubstaplern abgeholt und weggeräumt. Pro Kran und Stunde je 30 Container. Unser Schiff wurde von 5 Kranen und unzähligen Hubstaplern gleichzeitig be- und entladen. Imposant, ein riesiger Ameisenhaufen in Gross!

Nicht nur der Hafen und die Hafenanlagen sind gigantisch, auch das Schiff ist unglaublich gross. 300m lang, 40m breit und kann mit ca. 7000 Containern beladen werden. Und dieses gehört bereits nicht mehr zu den grossen Schiffen… Trotzdem sehr eindrücklich, kann man sich gar nicht richtig vorstellen, ohne es gesehen zu haben.

Auf dem Schiff habe ich auch bereits diverse Personen kennengelernt. Mein Mitpassagier ist ein pensionierter Lehrer aus Deutschland und bereits sechs Wochen mit dem Schiff unterwegs. Seine Reise endet jedoch in Bremerhaven und es werden neue Passagiere zusteigen. Er konnte mir bereits vieles Erzählen und hat mir wichtige Tipps gegeben. Da bin ich sehr froh, denn er ist der einzige deutschsprachige Schiffsfahrer. Die Offiziere sind fast alle aus Rumänien und die Crew hauptsächlich aus den Philippinen. Aber ich wollte ja Englisch sprechen… Alle sind sehr freundlich und ich konnte bereits meinen ersten Lunch geniessen. Hat sehr geschmeckt!

Zwischen Einundzwanzig- und Zweiundzwanzighundert ist geplante Auslaufzeit. Ich freue mich bereits auf das erste Teilstück nach Rotterdam.

Auf nach Antwerpen

Bevor man auf einem Frachter einschiffen kann, muss natürlich zuerst in eine Hafenstadt gereist werden. Als Einsteigeort habe ich Antwerpen gewählt. Wie sich herausstellt, eine vorzügliche Wahl!

Nach einer kurzen aber trotzdem schmerzlichen Verabschiedung ging es endlich los. Mit dem Flugzeug nach Amsterdam und anschliessend per Zug nach Antwerpen. Eingecheckt habe ich am Morgen und so konnte ich zuhause noch zu Mittag essen (Winzerrösti, wohl für länger das letzte mal ein Schweizer Gericht…). Nach einem ruhigen und angenehmen Flug stieg ich in Amsterdam in den Thalys – Hochgeschwindigkeitszug (230km/h). Ich konnte sogar noch eine Stunde früher als gebucht los, da bei der Gepäckausgabe alles so schnell geklappt hatte und im Zug noch freie Plätze zur Verfügung standen. Ganz überrascht war ich, dass ich in einem Premium Wagen gebucht war, super schön, viel Platz und ein Snack inklusive… Dies Stunde verging wie im Zuge 😉

In Antwerpen angekommen ging ich sofort ins vorgebuchte Hotel. Auch hier hatte ich wieder Glück und bekam ein Upgrade des Zimmers. Im 10 Stock mit Blick auf Antwerpen… Super!

Nachdem ich noch letzte Einkäufe getätigt hatte, musste ich natürlich auch ein wenig die Stadt anschauen. Bereits bei der Ankunft ist mir der Bahnhof aufgefallen. So etwas habe ich noch nie gesehen. Ein Wunderbauwerk! Aber auch sonst hat Antwerpen viel zu bieten (Fotogalerie zeigt einige Eindrücke, habe fotografiert, bis der Akku leer war…) Leider wurde vielerorts gerade renoviert und es war doch einiges eingerüstet. Trotzdem hat mich die Stadt sehr beeindruckt.

Morgen geht es los aufs Schiff… ich bin gespannt, was mich da erwartet… Aber wenn es so erfolgreich weitergeht wie mein erster Tag, dann muss ich mir keine Sorgen machen. Der Start ist auf jeden Fall mehr als geglückt!

Bald geht es los…

Der Abreisetermin kommt näher, Vorfreude und Spannung wechseln sich mit Unsicherheit und Abschiedsgedanken ab…

Die letzten Buchungen sind abgeschlossen. Am 19.8. reise ich nach Antwerpen und am 20.8 ist das Einschiffen geplant. Die Reiseroute wird mich zuerst von Antwerpen nach Rotterdam und anschliessend nach Bremerhaven bringen. In dieser Zeit werde ich hoffentlich viel vom Grosshafenbetrieb erfahren.

Anschliessend führt die Reise über den Nordatlantik nach Charleston. Ca. 10 Tage auf hoher See: die Weite der Welt erleben, die Seele baumeln lassen, die Technik des Schiffes erkunden und vieles Meer 😉

Nun noch Koffer packen und tschüss…