Everglades I (Flamingo)

Am Montag ging ich bereits das erste Mal in den Everglades National Park. Beim Recherchieren im Internet fand ich einen interessanten Walk mit einem Park-Ranger, welcher um 10:30 Uhr startete. Ich war bereits um ca. 10 Uhr dort und habe es nicht bereut. Der Ranger versuchte gerade, eine kleine Klapperschlange vom Touristenplatz weg zu bewegen. Tatsächlich verschwand sie dann nach einigen Minuten (und Fotosessions mit mir) tatsächlich im Gebüsch. Ein Blick ins Gebüsch liess mich dann auch bereits den ersten Alligator . Er lag ganz friedlich hinter einem kleinen Steinmäuerchen im Schatten eines Busches. Und dies alles bevor ich auf den Walk mit dem Ranger ging… Die Erwartungen waren hoch…

Auf dem Walk erläuterte der Ranger viele interessante Fakten über die Everglades, die Alligatoren, Vögel, Pflanzen, etc. Während dem wandern sahen wir mehrere Alligatoren rumliegen. Obwohl der September eigentlich eine schlechte Zeit ist, um Alligatoren zu sehen, sahen wir während dem Wandern durch den Park mehrere Exemplare. Meistens jedoch nur teilweise, da der Rest im Wasser oder unter einem Steg war. Die Zeit war jedoch optimal um Baby-Alligatoren zu sehen! Da konnten wir einige von den noch gelb/schwarz gestreiften Minialligatoren (ca. 30cm lang) beobachten. Dieser Ausflug war sehr aufschlussreich und lohnenswert.

Nicht so lohnenswert war der Ausflug am Nachmittag in eine Alligatorfarm. Obwohl ich mich beim Ranger vorgängig über die Sinnhaftigkeit solcher Farmen informiert hatte und er dies eine gute Sache fand, war dies nichts für mich. Ich konnte zwar sehr viele Alligatoren von klein bis gross beobachten, aber natürlich eingesperrt. Dazu noch eine Alligatorshow, welche mir gar nicht gefallen hat, eine Tour mit einem Airboot, welches viel zu laut für die bewundernswerte Umgebung war und das Füttern der Alligatoren. Da waren mir die freilebenden Tiere bedeutend lieber.

Am Abend kamen Dani und Katja von Key West wieder zurück und so gingen wir am Dienstag nochmals in die Everglades. Ich hatte so geschwärmt, von diesem Rangerwalk, dass sie diesen auch machen wollten. So kam ich in den Genuss einer zweiten Runde. Kein Problem, es führte ein anderer Ranger und so gab es wieder ganz viele neue Inputs. Wir konnten die Alligatoren sogar noch besser sehen als am Tag zuvor.

Diesmal fuhren wir mit dem Auto noch weiter in Park hinein bis hinunter nach Flamingo. Dieser Punkt liegt ganz im Süden der Everglades am Meer. Dadurch sind die Everglades im sündlichen Bereich mit Salzwasser vermischt und deshalb ist dort das Krokodil heimisch. Es gibt sogar Bereiche in den Everglades, in welchen sowohl der Süsswasser Alligator als auch das Salzwasser Krokodil nebeneinander zu beobachten sind. Bei der Ankunft wurden wir zuerst von Manatees (Seekühe) überrascht, welche zwischen den Bootanlegestellen schwamen und kaum waren wir einige Meter gelaufen, schwamm auch noch ein Krokodil an uns vorbei. Katja und ich buchten eine Bootstour und konnten nochmals die Schönheit dieser Naturlandschaft bewundern. Tiere sahen wir leider sehr wenige.

Nach diesem ereignisreichen Tag verabschiedete ich mich von Dani und Katja. Sie flogen weiter nach Las Vegas und ich machte mich auf den Weg zu Key West. Ich hatte in Marathon ein Cottage reserviert. Überrascht musste ich feststellen, dass dieses nicht nur sehr einfach war (kein Problem, da sauber) sondern auch, dass Dusche, WC, Lavabo im Freien installiert waren. Tja, nicht ganz nach meinem Geschmack aber für eine Nacht wohl kein Problem… Dafür war der Sonnenuntergang bereits legendär! Wie im Internet beschrieben sinkt die Sonne feuerrot in das Meer! Morgen gehts dann weiter nach Key West…

Miami (Beach, Town, Dolphins)

Kaum hatte ich mich von Flavia und der Westküste verabschiedet, traf ich in Miami an der Ostküste Dani und Katja. Zufälligerweise machten sie vor Ihrer Reise in Kalifornien einen Zwischenstopp in Miami und ich konnte meinen Plan perfekt danach richten.

Bereits das Hotel, welches Katja ausgesucht hatte, war super! So feudal hatte ich während der ganzen Reise nie übernachtet. Wirklich toll! Gemeinsam erkundigten wir Miami Beach. Der Ocean Drive war ein spezielles Erlebnis (Musclebeach, spezielle Bauarchitektur, aber auch Party, Party, Party… ) Der Strand war sehr schön und die Liveguard-Häuschen legendär! Natürlich liessen wir es uns nicht nehmen, ein Bad im warmen Atlantikwasser zu geniessen.

Am Abend schauten wir uns zwei Bezirke in Miami Downtown an. Zuerst liessen wir uns von den kunstvollen Graffitis an den Wänden von Wynwood bezaubern. Unglaubliche Künstler! Wir schauten auch noch kurz in eine Ausstellung von Eduardo Kobra (Brasilien) mit ausdrucksstarken Bildern. Ein sehr spannendes Viertel, dass man auf keinen Fall verpassen sollte.

Zum Nachtessen fuhren wir ins nahe „Little Havana“. Ein kubanisches Viertel mit entsprechendem Essen und Musik. Da spürt man die lateinamerikanische Lebensweise. Sowohl das Essen als auch das spezielle Flair hat mir sehr gefallen.

Am Sonntag habe ich mir wieder etwas spezielles gegönnt. Ich wollte einmal live bei einem American Football Spiel der NFL dabei sein. Die Miami Dolphins spielten gegen New England Patriots. Vorgängig musste ich mich mit per Youtube mit dem Spiel vertraut machen und dann ging es auch schon los. Für Dani und Katja war die Zeit zu knapp, wollten Sie in ihren vier Tagen noch viele andere Sehenswürdigkeiten Floridas erkunden. Doch Flavia war von der Idee begeistert und kam spontan mit. Das freute mich sehr, macht natürlich viel mehr Spass zu zweit als alleine.
Bereits vor dem Stadion eine riesiges Volksfest. Die Fans, ausgerüstet mit Zelten, Grill, Spielen, etc. zelebrierten vor dem Spiel auf den Parkplätzen Ihre Vorfreude. Auch im Eingangsbereich des Hard Rock Stadions viele Attraktionen und Wettbewerbe. Alleine das Stadion war äusserst eindrucksvoll, 65’000 Zuschauer und die Sicht auf das Feld auch von den entferntesten Plätzen (natürlich auch unsere) sehr gut! Wir genossen das Spiel, obwohl die Patriots deutlich besser waren (43:0). Es war trotzdem sehr spannend und mit Tom Brady konnten wir den wohl aktuell besten Quarterback live bestaunen.

Nach diesem ereignisreichen Sportevent – Tag verabschiedete ich zum zweiten Mal bei Flavia und machte mich auf den Weg Richtung Florida City. Dort treffe ich mich wieder mit Dani und Katja um gemeinsam die Everglades genauer anzuschauen.

Besuch bei Flavia in Ave Maria, Abstecher nach Naples

Wenn ich schon jemanden kenne in Florida, so wollte ich natürlich auf Besuch gehen.
Flavia hat vor einigen Jahren bei mir im Beachkader trainiert und ist unterdessen bereits das 3. Jahr in Florida am studieren und Volleyball spielen. Dieses Semester ist sie neu an der Ave Maria Universität, das passte perfekt zum meiner Reiseroute. Dass am 11.9. auch noch das erste Saisonspiel auf dem Programm stand, machte den Aufenthalt noch besser…

Ave Maria wurde im Jahr 2003 gegründet um dort eine Universität zu erstellen… in mitten von nichts… sechzehn Jahre später besuchen über 2000 Studenten die Universität, eine grosse Kirche thront im Zentrum und rundherum hat es Wohnsiedlungen und einige kleine Geschäfte.

Flavia führte mich in der Universität und in der Stadt herum und gab mir einen kleinen Einblick in das Leben einer Studentin in Amerika. Am Abend dann das erste Meisterschaftsspiel. Es ging dabei sehr emotional und laut zu und her. Das Spiel war lange ausgeglichen und bewegte sich auf gutem Niveau. Leider behielt in den entscheidenen Situationen der Gegner die Nerven und gewann am Ende mit 3:0 (23/24/17)
Spannenden waren für mich die unterschiedlichen Regeln… Es darf pro Satz 18 mal gewechselt werden, wenn der Ball an die Decke geht, wird weiter gespielt, der Libero darf servieren, etc. Das bedeutet auch taktisch ein anderes Spiel. So wird ähnlich dem Libero oft vorne/hinten mit zwei unterschiedlichen Spielerinnen gespielt (sozusagen mehrere Liberas). Dadurch werden z.B. 3m Angriffe weniger wichtig und die Qualität der Annahmen steigt. War sehr interessant zu verfolgen.

Am 2. Tag machte ich einen Ausflug nach Naples ans Meer. Ich ging zuerst auf den dortigen Pier um mich umzuschauen. Plötzlich tauchte vor mir ein Delfin auf!!! Unglaublich… mein erster Delfin in freier Wildbahn am Strand von Naples. Und das war bei weitem nicht der einzige. In der Zeit auf dem Pier sah ich weit über 10 Delfine, oft zu zweit und als Bonus sogar noch eine Meeresschildkröte! Dieser Ausflug hatte sich auf jeden Fall gelohnt. Das Städtchen ist eher für gut Betuchte und dementsprechend gab es viele Villen zu sehen. Der Sandstrand mit weissem Sand war wunderschön anzuschauen. Ein gelungener Ausflug!

Am Abend ging ich zum Abschied noch mit Flavia essen und so gingen die zwei Tage im nu vorbei. Vielen Dank Flavia!

Nun geht es weiter nach Miami, wo ich Dani und Katja treffen werde.

Orlando, Tampa, Orangetree

Am Dienstag wollte ich in Orangetree ankommen, da ich am Mittwoch in Ave Maria abgemacht hatte. Dies bedeutete ca. 5h Autofahrt. Dazu war ich mir lange nicht sicher, welche Strecke ich fahren soll und was ich dabei anschauen soll.

Orlando ist bekannt für die vielen Vergnügungsparks (Disney World, Universal Studios, etc.) Nicht wirklich mein Ding, aber kann man das auslassen? Man bzw. ich konnte..Trotzdem wollte ich Orlando nicht links liegen lassen, sondern Downtown einen Besuch abstatten. Beim Lake Eola Park sah es ganz schön aus, ansonsten hohe Gebäude aber für mich nichts spezielles.

Als ich mich über Orlando schlau gemachte, stiess ich auf eine Attraktion, die mich viel mehr interessierte als die Vergnügungsparks… Eine Tour auf einer Orangenplantage, dazu noch mit Monstertracks… Das musste ich gesehen haben. Leider sind die Orangen erst im November wieder pflückreif, so sah man nur die vielen noch grünen Orangen an den Bäumen. Trotzdem war es sehr spannend, die Farm hat eine Grösse von zehn Quadratkilometern! Nicht alles wird für die Orangenbäume verwendet, vieles ist reine Wildnis. Mit einem Monstertrack fuhren wir ca. 1h lang durch die Plantage. Neben den Orangenbäumen sahen wir viele Tiere und erlebten eine abenteuerliche Fahrt. Einen herrlichen Orangensmoothie genehmigte ich mir zur Belohnung für die gute Entscheidung dahin zu gehen.

Gestärkt machte ich mich auf den Weg nach Tampa. Auch von dieser Stadt wollte ich einen Eindruck erhalten. Sehr eindrücklich war das Universitätsgebäude, fast ein wenig Hogwarts… Ansonsten auch wieder spannend gebaute Business-Towers und eine gigantische Brücke.

Nach einer langen Fahrt, kam ich in meiner ersten Airbnb – Unterkunft an. Zimmer mit eigenem Bad, Haus zur Mitbenutzung, alles sehr sauber und gemütlich, sehr nette Leute. Trotzdem musste ich mich zuerst daran gewöhnen, ein Haus mit mir fremden Personen zu teilen. Das wird meine Unterkunft für die nächsten drei Nächte sein.

Kennedy Space Center

Am Montag stand einer der Key-Points meiner Florida Reise auf dem Programm. Ich wollte den Ort besuchen, wo vor 50 Jahren die ersten Menschen zum Mond aufbrachen.

Bevor ich jedoch in Richtung Kennedy Space Center fuhr, wollte ich noch etwas spezielles unternehmen. Die ersten Rennen in Daytona fanden auf dem Strand statt. Noch heute darf man (natürlich gegen eine Gebühr) mit dem Auto auf dem Strand fahren. Dies wollte ich auch mal erleben, im Auto am Meer entlang cruisen. Ich löste ein Ticket und fuhr danach dem Strand entlang. Plötzlich Polizeilichter hinter mir… ich hielt an und wollte aussteigen… Fehlentscheid!!! Sofort stand der Polizist mit gezogener Waffe vor mir und befahl mich zurück ins Auto! Nach meinem ersten Schreck erklärte er mir dann sehr freundlich, dass man in der USA bei einer Polizeikontrolle auf keinen Fall aussteigen dürfe… er wollte mir eigentlich nur zeigen, in welchem Bereich des Strandes ich fahren dürfe… Dieses Erlebnis war noch fast intensiver als die Strandfahrt selbst

Danach ging es los zum Ort wo Geschichte geschrieben wurde… Ziel Abschussrampe Apollo 11. Das Besucherzentrum vom Kennedy Space Center zeigt viele spannende Fakten über die Vergangenheit und die aktuelle Arbeit der NASA. Natürlich immer wieder gespickt mit Ausstellungstücken vergangener Missionen. So war eine vollständige Apollo Rakete zu sehen und auch das Space Shuttle Atlantis konnte in einer Halle bewundert werden. Daneben viele eindrückliche Filme (teilweise in 3D), welche einem verschiedene Aspekte der Raumfahrt näher brachten.

Für mich am spannendsten war jedoch die Extra Tour aufs Gelände. Uns wurde ein Blick in Richtung Cape Canaveral gewährt (Militärische Anlage für Raketenstarts) und wir fuhren auf dem Gelände vom Kennedy Space Center zu verschiedenen Aussichtspunkten. Speziell für mich war sicher der Lauch Complex 39A von wo aus Apollo 11 zum Mond startete. Es gab natürlich noch viel mehr zusehen, das Vehicle Assembly Building (mit Toren von 139m Höhe, damit die aufgebauten Raketen raus zur Start gebracht werden können), Grundplattformen für den Aufbau der Raketen, etc. sogar freilebende Delfine schwammen vorbei. Diese Tour hat sich wirklich gelohnt.

Dieser Ausflug hatte mich ein wenig in meine Jugendzeit zurück versetzt. Ich war damals sehr interessiert an der Raumfahrttechnik. Es herrschte an dieser Stelle aber auch ein Spirit des Aufbruchs… so eine Art „Wir schaffen das…“ Mentalität. Alleine diese Besuch war schon die Reise wert!

Von Charleston nach Florida (Daytona Beach)

Am Samstag morgen verabschiedete ich mich von Gustl, welcher mit einem Greyhound – Bus weiter nach Orlanda fuhr. Ich schaute mich praktisch den ganzen Tag in Charleston um. Eigentlich erwartete ich Nachwirkungen des Hurricans, aber da war wenig zu sehen. Viele Blätter am Boden, teilweise Äste, die abgebrochen herum lagen und noch wenige Pfützen. Das Schlimmste war wohl,dass der Strom für ca. 12h unterbrochen war. Charleston selbst ist eine schmucke Stadt mit einem schönen Markt.

Ich liess es mir nicht nehmen, eine der berühmten Plantagen zu besichtigen. Ich wählte die Boone Hall Plantage, auf welcher früher hauptsächlich Baumwolle angepflanzt wurde. Es wurde auch gezeigt, wie die Sklaven auf der Plantage lebten und arbeiteten. Neben der Geschichte ist es auch einfach ein schöner Ort zum verweilen.

Danach war Schluss mit Charleston und ich fuhr einige Kilometer nach Beaufort. Ein kleines Städtchen mit schöner Meerpromenada. An diesem Ort verbrachte ich auch die Nacht.

Am Sonntag war mein Ziel, in Florida zu landen. Als Ende der Etappe hatte ich den Daytona Beach ins Auge gefasst. Unterwegs liess ich es mir aber nicht nehmen, noch einige kleine Städte zu besichtigen.

Nach knapp einer Stunde machte ich meinen ersten Halt in Savannah. Dort verweilte ich ca. eine Stunde und streifte durch die Stadt. Dabei kam ich an der Strasse vorbei, an welcher die berühmte Bank von Forest Gump für die Dreharbeiten gestanden hat. Auf jeden Fall hatte sich dieser Zwischenhalt gelohnt.

Danach führ ich weiter auf der Interstate 95 und passierte die Staatsgrenze zu Florida. Mein Hauptziel war geschafft, aber zum Daytona Beach war es noch ein Stück zu fahren.

Ich machte noch einen Zwischenhalt in St. Augustine. Sie wird als älteste Stadt der USA gehandelt. Leider wurde diese Tatsache viel zu stark thematisiert. Die ganze Innenstadt ein kleines Disneyland. Voll von Touristen (inkl. mir) und rundherum nur Touristenshops. Zwar schön, aber für mich zuviel….

Ich wählte von da die A1A bis nach Daytona Beach. Nicht der schnellste Weg, aber mit Abstand der schönste. Praktisch alles an der Küste entlang. Schöne Villen und dann wieder der Blick aufs Meer. Wirklich ein entspanntes Fahren. Bis auf einen kurzen Zwischenfall: Auf der Gegenseite hielt plötzlich ein Auto, eine Frau steig aus und rannte auf die Strasse. Ich machte sofort eine Notbremsung und hielt den Wagen an. Gott sei Dank! Die Frau hatte eine Schildkröte auf der Strasse gesehen und diese vom Verkehr gerettet. Und mit Schildkröte meine ich eine richtige… ca einen halben Meter im Durchmesser… Nochmals gut gelaufen. Dumm war nur, dass ich verspasst habe, diese Schildkröte zu Fotografieren.

Gegen Abend kam ich dann in Daytona Beach , wo alljährlich das berühmte NASCAR-Rennen stattfindet, an. Natürlich liess ich es mir nicht nehmen, noch kurz ins Meer zu springen. Nach einem kurzen Nachtessen in einem verrückten Restaurant mit alles Autoimitationen ging auch dieser Tag zu Ende. Am nächsten Tag ist ein Besuch im Kennedy Space Center geplant…

In Charleston angekommen

Am Freitag ging es volle Fahrt voraus nach Charleston. Der Hurrican zog weiter und uns konnte nichts mehr aufhalten. Auch das Meer wurde wieder ruhiger und so konnte ich nach dem Begleichen der Rechnung nochmals an Deck meine Runden ziehen und Abschied nehmen. Nochmals kam Wehmut auf, aber nun zog es mich auch an Land…

Die Einfahrt in den Hafen von Charleston war nochmals sehr beeindruckend. Unter einer grossen Brücke hindurch an der Altstadt vorbei in den Hafen. Doch noch waren wir nicht von Board. Zuerst mussten noch alle Zoll- und Grenzkontrollen erledigt werden. Komischerweise brauchte es bei mir, mit einem B-Visum deutlich länger, als bei den anderen mit ESTA… Aber egal, danach konnten wir das Schiff ohne weitere Zollformalitäten verlassen. Da Gustl auch in Charleston von Board ging, blieben wir zusammen und schauten gemeinsam, wie es weiter gehen sollte…

Noch auf dem Schiff hatte ich mir ein Auto gemietet. Ein kleiner Geländewagen mit genügend Platz und guter Übersicht. So konnte ich nach dem Verlassen des Schiffes sofort an den Flughafen und das Auto in Empfang nehmen. Alles hat wunderbar geklappt (ausser dass wir beim Taxipreis abgezockt wurden… guter Einstieg in die USA…) Nach einer Weile fanden wir auch ein Hotel, welches halbwegs bezahlbar war und so ging der Tag erfolgreich und zufrieden zu Ende.

Somit ist ein äusserst spannendes, interessantes und lehrreiches Kapitel meiner Reise abgeschlossen. Nun wartet Florida auf mich…

Hurrican Dorian lässt uns warten

Die Entscheidung, Dorian noch auf dem Meer aus dem Weg zu gehen, war zweifelsfrei richtig. Wir erhielten zwar immer noch sehr wenige Infos. Über Whatsapp (Dank an Thomas Zolliker, für die detaillierten Daten) wussten wir ein wenig, was da in Küstennähe geschah. Dann lieber auf hoher See warten, bis das Schlimmste vorbei war. Der Captain positionierte uns in sicherem Abstand zum Sturm, trotzdem waren die Wellen so, dass aus Sicherheitsgründen keine Runden mehr gedreht werden durften. Mental hatte ich mich auch bereits auf Charleston gefreut und deshalb waren die zusätzlichen Tage eine Geduldsprobe. Doch auch in diesen Tagen gab es viel zu Erleben. Das Highlight war sicher die Geburtstagsparty eines Crew-Mitglieds am Mittwochabend. Alle waren eingeladen und wir schauten zögerlich rein, mit uns rechnete wohl niemand… weit gefehlt! Mit einer Herzlichkeit, welche ich noch selten erlebt habe, wurden wir begrüsst und in der Runde der Crew aufgenommen, als würden wir seit Monaten dazu gehören. Essen in Hülle und Fülle und Wein und Bier floss in Strömen. Eine Geburtstagstorte gehörte natürlich ebenso dazu wie Karaoke. Je länger der Abend umso öfter war das berüchtigte «Bottom Up» zu hören. Der zweite Engineer und Gustl liessen sich das nicht zweimal sagen und zeigten allen mehrfach, wie es geht. Ich mit meinem Cola bot dabei weniger Spektakel ? Als wir uns dann verabschiedeten, bedankten sich alle nochmals überschwänglich für unser Erscheinen. Ein toller Abend ging damit zu Ende! So viel Freundlichkeit und Warmherzigkeit als Passagier erleben zu dürfen, hat mich sehr berührt. 

Am Donnerstag konnte ich nochmals den Maschinenraum besichtigen. Nachdem ich bereits wusste, was mich erwartete, konnte ich mich auch besser darauf vorbereiten. Nun wusste ich genau, welche Fotos ich noch machen wollte und auch, was ich noch für offene Fragen hatte. Auch dieses Mal kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Die Grösse dieses Dieselmotors und Kraft, welche diese Maschine seit 18 Jahren liefert, ist unglaublich. Er läuft bereits mit über 100’000 Betriebsstunden immer noch zuverlässig. Natürlich wird es bestens gewartet und überwacht. Das alles durch die Techniker auf dem Schiff, wahre Allrounder. Es wurde uns auch nochmals versichert, dass wir am Freitag am späteren Nachmittag in Charleston einlaufen werden. Nun passte es für mich gut. Die drei zusätzlichen Tage haben mich gut mit dem Schiffsleben abschliessen lassen. Gespannt schaue ich auf das neue Kapitel Florida… aber zuerst freue ich mich nochmals auf eine Hafeneinfahrt.

Anders als geplant…

Dienstagmorgen, Zeit um sich auf Charleston vorzubereiten. Die Pläne für das Weiterkommen waren geschmiedet, das vermeintlich letzte Frühstück an Board genossen und ich wollte die Rechnung beim Captain begleichen. Doch aus allem wurde nichts… Die Reederei hatte die Weiterfahrt des Schiffs gestoppt und uns zum Warten in sicheres Gebiet geschickt. Die Erleichterung beim Captain und den Crewmitgliedern war sofort spürbar. Gustl und ich schwankten zwischen Erleichterung und Enttäuschung. Es wäre vielleicht ganz interessant gewesen, so einen Hurrican mal mitzuerleben.

Was wir jedoch später am Nachmittag alles via Whatsapp über die Auswirkungen des Hurricans hörten, liess die Erleichterung in den Vordergrund treten. Auf den Bahamas verursachte Hurrican Dorian scheinbar grosse Schäden und in Charleston wurden die Einwohner evakuiert. Und wir wollten dort aussteigen und uns wie gewöhnlich nach Hotelzimmern umsehen…

Nun bleiben wir voraussichtlich weitere drei Tage auf hoher See und werden dann Freitag, wenn alles vorbei ist, in Charleston einlaufen.

Das Ende naht…

Nach der Party von Samstag schien es Sonntagmorgens ein wenig ruhiger zu werden. Doch bereits auf der Morgenrunde wurde klar, dass Die Crew keinen freien Tag hat. Es wurde wieder auf dem ganzen Schiff gearbeitet. Bei einer Reparatur konnte ich nicht vorbei laufen… Ein Seil für die Schiffsbefestigung am Hafen (Durchmesser ca. 10cm, Länge 200m) wurde abgerollt. Im vordersten Drittel war das Seil teilweise beschädigt. Deshalb wurde es umgekehrt wieder montiert, die Schlaufe vorne abgetrennt und dann wurde aus dem Ende der Anfang und umgekehrt… das alleine ist ja eine gute Idee, um das Seil länger verwenden zu können, aber eigentlich nicht so eine grosse Sache, wenn da die Schlaufe nicht wäre. Damit das Schiff am Hafen angemacht werden kann, braucht es am Ende des Seiles eine Schlaufe, doch wie macht man eine neue Schlaufe? Ein Knoten geht bei diesen Dimensionen ja nicht… Spleissen ist angesagt. Das kenne ich zwar aus der Theorie, doch dachte ich mir, da müsste wohl ein Speziallist kommen, nichts dergleichen. Die Matrosen haben die einzelnen Stränge vorne aufgetrennt und anschliessend mühsam fünf Meter weiter hinten wieder eingeflochten. Spleissen gehört bei denen (wie eigentlich alles) einfach zum Job… Alle Achtung vor diesen Seemännern!

Am Abend und in der Nacht folgten dann die Highlights des Tages, der beste Sonnenuntergang der ganzen Reise, das bedeutete, praktisch kein Wolkenband am Horizont. Die Sonne versank im Meer. Zwei Stunden später folgte nochmals der Blick zu den Sternen. Ich kann mich nicht erinnern, dass ich die Milchstrasse vorher jemals so klar und deutlich gesehen hätte.

Am Montagmorgen wurde plötzlich das Thema Hurrican aktuell. Dorian wanderte von Florida der Küste entlang nach Norden in Richtung Charleston. Gustls Kollegin hatte ihn bereits früh gewarnt, aber wir haben dies immer ein wenig humorvoll kommentiert. Doch nun kamen Meldungen von überall, in Charleston werde sogar bereits die Evakuierung geplant… Ankunft des Schiffes in Charleston Dienstagabend, Hurrican-Warnung auf Mittwoch oder Donnerstag… Wir fingen an, Pläne zu schmieden und Varianten auszuarbeiten, wie wir in Charleston sicher das Unwetter überstehen würden. Doch irgendwie änderten sich die Aussagen immer wieder und so liessen wir es dabei und drehten einmal mehr unsere Runden auf dem Schiff. Heute wurde überall geputzt, obwohl das Schiff für mich bereits sehr sauber gehalten wurde. Die Einfahrt in einen Hafen verlangt Hochglanz…

Am Nachmittag konnten wir auch unseren Pool (3x5m) ausprobieren. Er wurde mit Meerwasser gefüllt, welches hier bereits über 25⁰C warm war. Eine angenehme Sache und sehr speziell, auf dem Meer im Meerwasser aber nicht im Meer zu schwimmen.

Der Tag war aber auch bereits mit ersten Vorbereitungen für das Verlassen des Schiffes belegt. Ich wusch alle gebrauchten Kleider, um meine Floridareise frisch starten zu können. Es kam bereits ein wenig Wehmut auf, aber noch blieb ja ein Tag…