Die Entscheidung, Dorian noch auf dem Meer aus dem Weg zu gehen, war zweifelsfrei richtig. Wir erhielten zwar immer noch sehr wenige Infos. Über Whatsapp (Dank an Thomas Zolliker, für die detaillierten Daten) wussten wir ein wenig, was da in Küstennähe geschah. Dann lieber auf hoher See warten, bis das Schlimmste vorbei war. Der Captain positionierte uns in sicherem Abstand zum Sturm, trotzdem waren die Wellen so, dass aus Sicherheitsgründen keine Runden mehr gedreht werden durften. Mental hatte ich mich auch bereits auf Charleston gefreut und deshalb waren die zusätzlichen Tage eine Geduldsprobe. Doch auch in diesen Tagen gab es viel zu Erleben. Das Highlight war sicher die Geburtstagsparty eines Crew-Mitglieds am Mittwochabend. Alle waren eingeladen und wir schauten zögerlich rein, mit uns rechnete wohl niemand… weit gefehlt! Mit einer Herzlichkeit, welche ich noch selten erlebt habe, wurden wir begrüsst und in der Runde der Crew aufgenommen, als würden wir seit Monaten dazu gehören. Essen in Hülle und Fülle und Wein und Bier floss in Strömen. Eine Geburtstagstorte gehörte natürlich ebenso dazu wie Karaoke. Je länger der Abend umso öfter war das berüchtigte «Bottom Up» zu hören. Der zweite Engineer und Gustl liessen sich das nicht zweimal sagen und zeigten allen mehrfach, wie es geht. Ich mit meinem Cola bot dabei weniger Spektakel ? Als wir uns dann verabschiedeten, bedankten sich alle nochmals überschwänglich für unser Erscheinen. Ein toller Abend ging damit zu Ende! So viel Freundlichkeit und Warmherzigkeit als Passagier erleben zu dürfen, hat mich sehr berührt.
Am Donnerstag konnte ich nochmals den Maschinenraum besichtigen. Nachdem ich bereits wusste, was mich erwartete, konnte ich mich auch besser darauf vorbereiten. Nun wusste ich genau, welche Fotos ich noch machen wollte und auch, was ich noch für offene Fragen hatte. Auch dieses Mal kam ich aus dem Staunen nicht heraus. Die Grösse dieses Dieselmotors und Kraft, welche diese Maschine seit 18 Jahren liefert, ist unglaublich. Er läuft bereits mit über 100’000 Betriebsstunden immer noch zuverlässig. Natürlich wird es bestens gewartet und überwacht. Das alles durch die Techniker auf dem Schiff, wahre Allrounder. Es wurde uns auch nochmals versichert, dass wir am Freitag am späteren Nachmittag in Charleston einlaufen werden. Nun passte es für mich gut. Die drei zusätzlichen Tage haben mich gut mit dem Schiffsleben abschliessen lassen. Gespannt schaue ich auf das neue Kapitel Florida… aber zuerst freue ich mich nochmals auf eine Hafeneinfahrt.